Offener Brief an Iris Ploog, Bürgermeisterin von Eckernförde

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Staufen, den 27. Januar 2024

Offener Brief an die Bürgermeisterin der Stadt Eckernförde

Sehr geehrte Frau Ploog,

ich schreibe Ihnen als Anwohner des Jungfernstiegs und aus Anlass des dreijährigen Jubiläums der Bauarbeiten in unserer Straße.

Wahrhaft kein Grund zum Feiern. Denn wie ich einem shz-Artikel entnehmen musste, sollen die Bauarbeiten noch bis März dauern – „sofern das Wetter mitspielt“ (Zitat shz).

Natürlich freuen wir uns, wenn der Jungfernstieg endlich eine schöne Oberfläche erhält – noch schöner wären zusätzlich eine Einbahnstraßenregelung und eine regelmäßige Tempokontrolle. Wir Anwohner verstehen auch, dass die Arbeiten an Kanälen und Leitungen langfristig notwendig sind.

Aber wie mit uns umgegangen wurde und was wir jahrelang ertragen mussten, hat bei uns seit 2022 Enttäuschung, Frust und manchmal auch Wut verursacht. Die Naivität und Unprofessionalität, mit der die Baustelle eingerichtet wurde, nur um sie dann nach dem Einspruch der Berufsgenossenschaft monatelang stillzulegen, hat in der Straße große Zweifel an allen Versprechen und Zusagen hervorgerufen; wie wir dann aus Erfahrung lernen mussten, war die Realität oftmals schlimmer als alles, was wir uns vorstellen konnten.

Nun also soll mal wieder das Ende der Bauarbeiten bevorstehen. Wohlgemerkt der Tiefbauarbeiten, denn danach folgen die „Oberflächenarbeiten“. Dafür seien „großzügig fünf Monate bis August eingeplant“, werden Sie von der Zeitung zitiert.

Dieser Satz ist der Gipfel der Zumutungen, die uns Anwohnern angetan werden. Ich denke dabei nicht nur an die dauernd dort Wohnenden, sondern auch an die Vermieter von Ferienwohnungen, zu denen ich gehöre. Wir haben jetzt im dritten Jahr mit Beschwerden und Stornierungen von Gästen zu kämpfen; in diesem Jahr 2024 sind die Buchungen unserer Wohnung um 70 Prozent zurückgegangen, weil ich bei Anfragen ehrlicherweise die Bauarbeiten erwähnen muss und ich daraufhin reihenweise Kunden verliere. Denn der jederzeitige Zugang zur Tiefgarage ist bei den Parkplatzproblemen in Eckernförde ein großer Pluspunkt für unsere Wohnung.

Sie wollen „großzügig fünf Monate“ für die Bauarbeiten einplanen? Wissen Sie, was diese Unsicherheit mitten in der Saison 2024 bedeutet? Warum dauert das so lange – warum werden die Arbeiten nicht so schnell wie möglich erledigt, um das Elend der ewigen Baustelle vor dem Haus endlich zu einem Abschluss zu bringen? Warum nehmen Sie uns mit dieser Formulierung jegliche Möglichkeit zu planen? Werden die „Kommunikationsprobleme“, von denen Sie gesprochen haben, jetzt besser, wenn die Stadt die Oberflächenarbeiten übernimmt? Wird es eine echte Mitteilungskultur geben und keine Telefonnummer, unter der niemand abhebt, oder eine Mailadresse, von der niemals eine Antwort kommt? Und vor allem: Wie kann ich das Image unseres Betriebes, das durch drei Jahre Unsicherheit beschädigt ist, je wiedergutmachen?

Vermietung basiert auch auf Vertrauen, dass die Gäste in ihren wohlverdienten Ferien nicht unter Umleitungen, Sperrungen und Parkplatzproblemen leiden müssen. Sie wollen, wie auch die vielen Anwohner der Häuser entlang der Promenade, immer und zu jeder Zeit die Tiefgaragen nutzen und nicht durch Sperrungen gegängelt werden; dann (und diese Erfahrung haben wir leider machen müssen) kommen die Gäste nämlich nie wieder zurück.

Sehr geehrte Frau Ploog, bitte setzen Sie sich dafür ein, dass die Arbeiten am Jungfernstieg so schnell wie möglich erledigt werden und in der Bauzeit die Zufahrt zu den Tiefgaragen am Jungfernstieg (Wasserseite) so selten wir möglich eingeschränkt wird. Und bitte kommunizieren Sie mit uns, reden Sie mit uns und erklären Sie uns genau, was uns bevorsteht. Denn nur so kann Vertrauen wieder aufgebaut werden.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Ruther

Ich werde dieses Schreiben auf unsere Webseite einstellen und Herrn Borgmann sowie den Redaktionen der beiden Zeitungen in Eckernförde zugänglich machen.

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